(  Textprobe: Auszug (Anfang) aus dem  Gesamttext )
 
 
 

                 Interview mit Wolfgang Müller
 

Wolfgang Müller gilt als  der Kopernikus des “genialen Dilletantismus.”. Seine künstlerisch hochwertigen Dilletantismen mit der Performance-Musik-Gruppe “Die Tödliche Doris” trugen ebenso zu diesem Ruf bei wie das von ihm 1982 im Merve-Verlag herausgegebene  Buch ”Geniale Dilletanten”,  in dem verschiedene Protagonisten der Dilletantenszene vorgestellt werden und zu Wort&Bild kommen: Künstler, welche das, was sie tun, nicht gelernt haben und die, statt ihre künstlerischen Interessen  daraufhin selbst einzuschränken oder gar zu verbieten aus diesem “Defizit” eine von der sogenannten Professionalität befreite, erfrischende  Energie des Experimentierens beziehen, die nicht selten zu genialen Resultaten in Form von Ideen, Klängen oder Konzepten führt.
Seit Anfang der neunziger Jahren dilletierte WM häufig in Island, züchtete laut “taz” Blaumeisen, um sie an italienische Feinkostge-
schäfte zu verkaufen, veröffentlichte einige Bücher, darunter das lexikalisch gegliederte zweisprachige Werk "Blue Tit - das deutsch-isländische Blaumeisenbuch" und lies auch von der Musik nicht ab. Seine letzte CD "Mit Witttgenstein in Krisuvik" erschien 2003 bei A-Musik in Köln. Mittlerweile gilt Wolfgang Müller als Island- und Elfenspezialist und veröffentlichte Wissenwertes über sein Fachgebiet in taz, die ZEIT, Tagesspiegel und Merian. Sein jüngstes Projekt ist eine Symbiose mit dem Elektronikmusiker  Namosh. 
Mit WM unterhielt sich der Deffector.

Wie ich kürzlich in einem Buch gelesen habe, hast Du Dich Wolfgang-Müller-Wolf genannt, weil die Namenskombination Wolfgang Müller etwa so unverwechselbar ist wie Frank Meier. Diese nominelle Änderung war aber auf keinen künstlerische Originalismus o.ä. zurückzuführen, sondern um bei der Gema nicht mit  200 anderen Wolfgang Müllers verwechselt zu werden ? Hast Du diesen Namen heute noch bei der Gema und vielleicht inzwischen nicht nur dort ? Es wäre ja immerhin keine schlechte  Idee, in jeder Institution mit einer anderen Abwandlung seines Nachnamens eingetragen zu sein.

WM: Die GEMA verlangte tatsächlich einen Namenszusatz, weil der Name Wolfgang Müller zu häufig existiert. Da ich keinen Künstlernamen kreieren wollte, setzte ich am Anfang wieder an: Wolfgang Müller-Wolf(gang Müller) usw. Das Phänomen in jeder Institution mit einer Variante seines Namens eingetragen zu sein, trifft eher auf das 1996 verstorbene Tödliche Doris Mitglied Nikolaus Utermöhlen zu. Schon im Namensregister meines Buches "Geniale Dilletanten" taucht er als Ufermöhler, Ufermöhlen, Ufermöler, Utermöhlen und Vermöhlen auf. Er hat die verschiedenen, meist unbeabsichtigten Falschschreibungen seines Namens bewusst eingesetzt und wusste dann, wer wann und wo was abgeschrieben hat.
 
 

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