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Textprobe: Auszug (Anfang) aus dem Gesamttext )
TRANSGRESSIVE CINEMA "Ich würde es vorziehen, dass die Leute einen Film hassten, als dass sie ihn vergessen würden…" DEVIDID INTO ZERO und SUBCONSCIOUS CRUELTY, die Regiearbeit bzw. Produktion eines jungen kanadischen Filmemachers halten, was ihr Schöpfer verspricht. Mitch Davis, geboren am 12. Dezember 1971, ist ein buchstäblicher Film-Maniac von frühester Jugend an. Bleibenden Eindruck hatte damals, als er gerade sechs Jahre alt war, das Geisterschloss in Disneyland hinterlassen. Von da an ließ ihn die Ikonografie des Grauens nicht mehr ruhen. Seine filmpraktischen Qualitäten erwarb er autodidaktisch durch das eingehende Studium seiner Lieblingsfilme, allen voran George A. Romeros NACHT DER LEBENDEN TOTEN, MARTIN und Dario Argentos SUSPIRIA. Dazu kamen Setreportagen aus einschlägigen Fachmagazinen. Als Einflüsse nennt er den Surrealisten Alejandro Jodorowsky, die Stilisten des Grauens (Mario Bava, Dario Argento), aber auch Autoren wie David Lynch, Ken Russell, Nicolas Roeg und den Japaner Shinya Tsukamoto. "Ich war schon immer ein Zelluloid-Masochist", sagt er im Interview mit dem Magazin :Ikonen:, "ich liebe Filme, die meine Emotionen überfluten, mich für Stunden und Tage verfolgen. Ich liebe Filme, die schmerzen." Auf die Suche nach solchen Werken konnte er sich ab 1997 machen, denn da wurde er Ko-Direktor des FanTasia-Filmfestivals in Montreal. Betrachtet man Davis' bisherige eigene Filmarbeit, muss man feststellen, dass er sich den Wunsch nach einem "schmerzenden Kino" selbst erfüllt hat: Vor allem DIVIDED INTO ZERO kultiviert eine grell-bizarre Bildwelt, in der kein unangenehmes Detail ausgespart wird. Das ist umso erschütternder, da der Film gleich mehrere Tabuthemen streift: Einsamkeit und Isolation, Schmerzlust und Sadomasochismus, Alter und Verelendung und nicht zuletzt die Pädophilie - eines der größten Tabus der westlichen Industriegesellschaften. All diese Themen werden in prägnanten Sequenzen in hochsymbolische Bild-Ton-Arrangements transformiert, entfernen sich über die dreißig Minuten Spieldauer des Films mitunter weit von narrativer Kohärenz und beschwören ein Kino des unmittelbaren Augenblicks: Davis' Filme funktionieren dadurch wie ein Happening, wie eine Performance, die einen direkten sinnlichen Affekt im Zuschauer erzeugen möchte. Weder in DIVIDED INTO ZERO noch in SUBCONSCIOUS CRUELTY geht es um eine zusammenhängende Geschichte im Sinne des kommerziellen Kinos. Vielmehr funktionieren beide Filme als Collagen aus Begehren, Ängsten, aus Wut und Verzweiflung. Menschliche Krisen werden hier nicht in ausufernder Ästhetisierung verharmlost oder geschönt - das unterscheidet Davis von seinen Vorbildern Bava und Argento -, sondern geradezu bis in Unerträgliche übersteigert. So wird der Kurzfilm DIVIDED INTO ZERO, der an sich das subjektive Psychogramm eines gefährlichen und neurotischen Killers zeichnet, zugleich zu einem ‚Hilferuf'. Der Film treibt den Zuschauer in eine Ambivalenz zwischen quälender Einfühlung und absoluter Abscheu. Stiglegger
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