(  Textprobe: Auszug (Anfang) aus dem  Gesamttext )
 
 

      VON DER KOMMUNIKATIVEN UNFÄHIGKEIT  GOTTES
 

                      Asia Argentos´ Lyrik 
                                                                    für Nesrin Aydin

Asia Argento ist ein Star. Den Horrorfreaks ist sie durch die Filme ihres Vaters, Dario Argento, zur Ikone geworden. Genau genommen sind es drei Zelloidstreifen, die Dario Argento selbst als „Asia-Trilogie” bezeichnete, in denen sie das Frauenideal ihres Vaters verkörpert (mädchenhaft, langes, dunkles Haar und große Augen): „Trauma”, „Le Syndrome de Stendhal” und „ Il fantasma dell’opera”. Ein  größeres, weniger fachspezifisches Publikum fand sie durch Werke wie „La Reine Margot” oder „B.Monkey”. 
Wie gesagt, Asia Argento ist ein Star, aber „nur” als Schauspielerin. Einige werden noch wissen, daß sie auch als Model, Regisseurin und Autorin von Kurzgeschichten tätig ist. Letztere erschienen in Zeitschriften wie „Village” oder „Max”. 1999 publizierte sie ihre erste Novelle „I love you, Kirk”. (Bereits im Alter von 8 Jahren soll sie ein Buch über Gut und Böse geschrieben haben. Von einer Publikation dieses Frühwerks ist bislang aber nichts bekannt.) Nur wenige wissen dagegen, daß Asia Argento auch als Verfasserin von Lyrik hervorgetreten ist. Nun ist es aber auch keineswegs leicht, ihrer Verse überhaupt habhaft zu werden, da sie nicht in Buchform, sondern lediglich und temporär auf einigen Internetseiten auftauchen.
Dabei  ist diese Lyrik (auch) ein wertvolles Dokument zum Verständnis ihrer Regiearbeit.  Ergo führt für niemanden, dem das Regie-Oeuvre von Asia Argento lieb und teuer ist, ein Weg an der Lyrik vorbei.
An  dieser  Stelle  sollen  einige Gedichte aus der Zeit ihres Regiedebuts „Scarlet Diva” einer näheren Betrachtung unterzogen werden, Auszüge aus den „Poems for Kirk” und die „Poems for Viola”. Kirk, das ist der Musiker aus „Scarlet Diva” und deshalb nimmt eines der Gedichte auch direkten Bezug auf den Film. Zunächst einmal fällt das extreme intellektuelle Namedroping auf, das darin betrieben wird. Das reicht von Villon bis Wittgenstein. Zudem ist das Gedicht essayistisch, meidet Metaphern und poetische Bilder. Man könnte es sich auch als Prosatext vorstellen. Darin stellt sie fest, daß „Scarlett Diva”, dieses Ice-Movie über eine Schauspielerin zwischen Mißbrauch, Sex und Einsamkeit, mit stark autobiographischen Bezügen, (auch) ein Film über Gott sei. Das verwundert nicht, läßt er doch vor allem existenzielle Leere spüren, die Abwesenheit Gottes, sofern Gott - im Sinne Wittgensteins - als (Lebens-) Sinn verstanden wird.      H.Harzheim
 

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